Themen

Benotung

Das derzeitige Beurteilungssystem (schriftlich und mit den Notengraden 1-5) wird von uns grundsätzlich als sinnvoll befunden. Doch es gibt einige Punkte, die noch verbesserungswürdig sind und Handlungsbedarf erfordern.

Forderungen

 
  • Im Sinne der Objektivität und Transparenz fordern wir das Recht jederzeit erfahren zu können, auf welcher Note man steht, um die Beurteilung für jede/n einzelne/n Schüler/in nachvollziehbar zu gestalten.
  • Außerdem fordern wir einen „Notenvertrag“ zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen. Dabei wird die Zusammensetzung einzelner Kriterien zum Zustandekommen der Note offengelegt.
  • Bei der Betragensnote treten auch in vielen Fällen Probleme und Missverständnisse auf und oft stehen subjektive Beweggründe im Vordergrund. Ein/e betroffene/r Schüler/in hat keine Chance Berufung einzulegen oder auch nur die Gründe für seine/ihre Verhaltensnote zu erfahren (Konferenzgeheimnis). Hier fordern wir Klarheit und die Möglichkeit für die Schüler/innen auf freiwilliger Basis die Gründe für ihre Betragensnote auf einem Zusatzblatt in Zusammenhang mit dem Zeugnis schriftlich ausformuliert zu erhalten.
  • Ein weiterer Punkt ist die Transparenz der Benotung der Matura. In dem jetzigen System ist nicht vorgesehen, dass ein/e Schüler/in nach seiner/ihrer Matura, den Beurteilungsbogen seine/ihre Arbeit bekommen kann. Man kann lediglich die korrigierte Arbeit, unter Aufsicht eines Lehrkörpers einsehen. Viele Schüler/innen interessieren sich aber sehr für diesen ominösen Beurteilungsbogen, der sowieso für den/die Maturavorsitzende/n erstellt werden muss. Deswegen
    fordern wir, dass ein/e Schüler/in Einsicht in diese Bewertungen erhält.
  • Aufgrund wiederholter Beschwerden von Schüler/innen, fordern wir eine genauere gesetzliche Regelung von „Lernzielkontrollen“. Hier herrscht eine unglaubliche Willkür. Die Dauer einer solchen Überprüfung variiert im tatsächlichen Schulalltag zwischen Größenordnungen von 5 Minuten bis zu 60 Minuten. Da diese Form der Tests nicht benotet werden darf, werden in der Praxis einfach statt den Notengraden 1-5 andere Symbole mit genau derselben Bedeutung verwendet. Im Sinne der Fairness, müssen hier klare Regeln her, die aber von den Lehrkräften auch wirklich eingehalten werden.
 

Matura

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass es ab dem Schuljahr 2013/14 in den AHSen und ab 2014/15 in den BHSen eine kompetenzorierntierte, standardisierte Reifeprüfung geben wird. Aufgrund dieses Umstandes beschäftigen wir uns hier nicht mehr mit der Grundsatzfrage, ob es eine Zentralmatura geben soll, oder nicht. Unsere konkreten Vorschläge beziehen sich auf das derzeitige Modell der Regierung und die darin enthaltenen Probleme aus der Sicht der Schüler/innen und im Bezug auf die tatsächliche Umsetzung.

Forderungen
Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA)
Grundsätzlich unterstützen wir die Idee einer verpflichtenden Vorwissenschaftlichen Arbeit (vgl. Fachbereichsarbeit), weil projektorientiertes und selbstständiges Arbeiten wichtige Fähigkeiten darstellen, die für das Berufsleben oder eine Hochschulbildung unverzichtbar sind.
  • Die minimale Wortbegrenzung von 4500 Wörtern ist sinnvoll. Die maximale Wortbegrenzung von 6000 Wörtern (ca.15-17 Seiten) ist allerdings sehr gering bemessen, daher fordern wir dass jede/r Schüler/in im Bezug auf die Länge seiner/ihrer Arbeit mehr Spielraum erhält.
  • Die Regelung mit den Betreuungslehrern/innen ist untragbar, da hier zahlreiche Barrieren für Schüler/innen entstehen. Jede/r Schüler/in benötigt bei seiner/ihrer VWA eine/n Betreuungslehrer/in, aber jede/r Lehrer/in darf nur maximal 5 Schüler/innen übernehmen. Wenn nicht genügend Lehrer/innen des entsprechenden Faches an einer Schule zur Verfügung stehen, gibt es die Möglichkeit auf Lehrpersonal aus anderen Schulen zurückzugreifen. Doch das ist in unseren Augen unzumutbar und in einigen Fällen wahrscheinlich unmöglich. Somit ist nicht garantiert, dass jede/r Schüler/in in einem Fach seiner/ihrer Wahl eine Vorwissenschaftliche Arbeit schreiben kann. Die versprochene Fairness wird dadurch nicht erfüllt.

Schriftliche Klausur

Hier haben wir große Bedenken in der Umsetzung. Es fehlen Bildungsstandards, entsprechende Lehrpläne, passende Unterrichtsmaterialien sowie detaillierte Informationen für das Lehrpersonal und die betroffenen Schüler/innen.
  • Auf schulautonome Schwerpunkte, Schulzweige und die Wochenstundenzahl muss Rücksicht genommen werden. Außerdem sehen wir es als sehr problematisch, dass es zwar einen einheitlichen Maturatermin für ganz Österreich geben soll, das Schuljahr aber je nach Bundesland zu einem anderen Zeitpunkt beginnt.
  • Wenn schon die Erstellung und Durchführung der schriftlichen Klausur einheitlich und zentral erfolgt, muss auch die Benotung einheitlich und zentral abgewickelt werden und nicht wie geplant durch den/die jeweilige/n Fachlehrer/in. In allen anderen Ländern in denen es eine zentrale Reifeprüfung gibt, wird das ebenfalls so gehandhabt. Beim österreichischen Modell ohne zentral abgewickeltem Benotungssystem gibt es wieder subjektive Einflüsse und die Vergleichbarkeit wird erst recht wieder in Frage gestellt.
  • Wir sind der Meinung, dass ein eigener Korrekturschlüssel für Migranten sehr viele Probleme mit sich bringt, da nicht klar ist wie Schüler/innen mit Migrationshintergrund definiert werden. Hinter dieser Maßnahme steckt vermutlich lediglich die Motivation, die Ergebnisse besser aussehen zu lassen.
  • Damit das Niveau nicht automatisch nach unten sinkt, fordern wir eine „Leistungszentralmatura“. Durch verschiedene Schwierigkeitsstufen, unter denen der/die Schüler/in selbst wählen kann, wird eine faire und leistungsbezogene Reifeprüfung gewährleistet.

Mündliche Prüfung
Prinzipiell unterstützen wir, im Sinne der Qualität unserer Matura, die Forderung nach mehr Objektivität bei der mündlichen Prüfung. Aber folgende Maßnahme sehen wir als problematisch an:
  • Die Festlegung von 25 Themenbereichen durch das Fachlehrerteam der Schule ist in vielen Fällen sehr schwierig und teilweise schlichtweg unmöglich. In manchen Fächern ist der Stoff nicht so umfangreich, dass sich keine Überschneidungen in verschiedenen Klassen ergeben.
 

Schulsystem

Die aktuellen Schulsystemdiskussionen beschränken sich derzeit meist auf ideologische Streitereien. Das ist nicht zielführend! Wir finden, dass viele sinnvolle Maßnahmen sowohl in einer Gesamtschule, als auch in einem differenzierten Schulsystem Platz haben. Wir bekennen uns zwar zum differenzierten Schulsystem, trotzdem sind wir der Meinung, dass auch in diesem Schulsystem viel Verbesserungspotenzial besteht.

Forderungen

Folgende guten Konzepte sind derzeit bei Einführung einer Gesamtschule („Neue Mittelschule“) angedacht:
  • Klassenschülerhöchstzahl von 25 Schüler/innen
  • Mehr Lehrer/innen, um eine individuellere Förderung zu ermöglichen
  • Mehr projektorientiertes Arbeiten und weniger Frontalunterricht
  • E-Learning
  • Ganztagesangebote

Diese Verbesserungen sind in beiden Schulsystemen möglich und deswegen steht deren flächendeckender Umsetzung nichts im Wege! Im Sinne der individuellen Förderung und bestmöglichen Schulausbildung jedes/r einzelnen Schülers/in ist das Modell der Gesamtschule nicht förderlich und schon garkein Allheilmittel. Stattdessen stehen wir mit dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ für ein differenziertes Schulsystem.

Weiters ist zu beachten, dass die Gesamtschule in fast allen Fällen mit einer Ganztagesschule verbunden ist. In einer solchen ganztätigen Schulform, sofern sie verpflichtend ist, sind individuelle Zeiteinteilung und außerschulische Hobbys schwer möglich. Wir sprechen uns für freiwillige Angebote einer Ganztagesschule aus, nicht aber für eine flächendeckende „Zwangstagsschule“ in der Oberstufe. Ein ganztägiges, flächendeckendes und kostenloses Betreuungsangebot in Pflichtschulen ist zu begrüßen. Hier ist, im Gegensatz zur Oberstufe, eine Betreuung notwendig und im Sinne der
Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch sinnvoll.

Wir fordern eine Aufwertung der Hauptschulen. In Wien leiden Hauptschulen oftmals unter ihrem schlechten Image. Die Entscheidung in eine Hauptschule zu gehen, soll keine Bestrafung sein, sondern vielmehr eine Chance besser gefördert zu werden!

  • Die baulichen Umstände der meisten Hauptschulen müssen verbessert werden. Wir fordern die Renovierung baufälliger Hauptschulgebäude.
  • Zurzeit kann ein/e Lehrer/in einer Hauptschule alle Gegenstände unterrichten ohne spezifische Fachausbildung. Wir fordern gut und richtig ausgebildete Fachlehrer/innen!

Der hohe Migrantenanteil in vielen Hauptschulen ist eine große Herausforderung. Denn einige Kinder und Jugendliche können aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse dem Unterricht nur schwer folgen. Um diesem Problem entgegenzuwirken wollen wir verpflichtende Deutscheinstufungstests zu Beginn der 5. Schulstufe. Bei negativem Abschneiden soll es gratis Deutschförderkurse geben. Diese sollen verpflichtend sein und je nach Bedarf, von einem nachmittägigen Förderkurs, bis zu Kursen die ein Jahr lang statt dem regulären Unterricht stattfinden, gehen. Denn Schüler/innen, die sehr schwere Defizite im Bereich der Deutschkenntnisse haben, in den meisten Fällen dem Regelunterricht nicht ausreichend folgen könnten
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Schulverwaltung

In Österreich gibt es in der Schulverwaltung vier verschiedene Verwaltungsebenen und es haben praktisch alle Instanzen ein Wörtchen mitzureden. Die Probleme sind bekannt: Teure Doppelgleisigkeiten, Unsteuerbarkeit und Intransparenz.

Zwölf Prozent der Bildungsausgaben versickern in den administrativen Strukturen. Insgesamt sind 2400 Personen in der Schulverwaltung angestellt und die Personalkosten betragen 116,9 Millionen Euro. Hier besteht eindeutig Einsparungspotenzial!

Wie viel eingespart werden könnte, darüber gehen die Zahlen auseinander: Ex-Rechnungshof-Präsident Franz Fiedler hält 100 Millionen Euro für realistisch. Aber auch rund 650 Millionen Euro werden für möglich gehalten: Die Schulverwaltungskosten liegen um 650 Millionen Euro über dem westeuropäischen Mittelwert.

Die Schülerunion fordert die Abschaffung der geldverschlingenden Kollegien der Landesschulräte und setzt sich stattdessen für die Einführung von Schulgemeinschaftsausschüssen auf Landes- und Bundesebene ein!
"Unterrichtsministerin Schmied soll endlich die, im Regierungsprogramm verankerte, Stärkung der Schulpartnerschaft auf Landes- und Bundesebene umsetzen. Dort sollen Schulgemeinschaftsausschüsse an die Stelle der parteipolitisch besetzten Kollegien der Landesschulräte treten und einer praxisnahen Bildungspolitik die Türe öffnen", so Nico.

Anstatt dass die unglaublichen Geldsummen für den derzeitigen Verwaltungsapparat verwendet werden, könnten sie dann den Schulen und somit unserer Bildung direkt zugute kommen!